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Hirscheneck Statement!

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Hirscheneck Statement!

09.08.2021

Liebe Freund*innen, Liebe Besucher*innen des Hirschenecks

STATEMENT AUGUST 2021:
*English version below*

Liebe Gäste, Liebe Freund*innen des Hirschenecks
Vor einiger Zeit haben wir an dieser Stelle das übergriffige Verhalten eines Menschen aus dem Kollektiv publik gemacht. Nach etwas über 3 Monaten intensiver interner Auseinandersetzungen, möchten wir nun etwas zu unserem bisherigen Prozess und der Aufarbeitung teilen.
Mit dem Anspruch, die Kette von Gewalt zu durchbrechen, die mit sexualisierten Übergriffen und Grenzüberschreitungen jeglicher Art einher geht, ist es uns wichtig zu beleuchten, was es heisst als Individuen und als Kollektiv Verantwortung zu übernehmen und wie wir dies aktiv tun können.
Selbstreflexion und das Hinterfragen unserer Strukturen sind Voraussetzungen einer nachhaltigen Veränderung und befähigen uns Verantwortung zu übernehmen im Sinne von „antworten können auf...“
Uns zu hinterfragen, wie weit wir diese Gewalt unbewusst oder bewusst ermöglicht, mitgetragen haben oder gescheitert sind, diese zu erkennen oder zu benennen, ermöglicht uns, unser Handlungsspektrum zu erweitern.
Wie sieht dieser Prozess zur Zeit konkret aus?
Es haben sich Kompetenz-Grüppchen gebildet, die verschiedene Aufgaben übernehmen und dafür Sorge tragen, dass möglichst wenig verloren geht bzw. Fäden und Verbindungen aufrechterhalten bleiben:
- Strukturierung für Gesamtprozess, Metaebene und Partizipation im Blick behalten - Austausch, Gespräche, Unterstützung Betroffene und oder Unterstützer*innen
- Kontaktpersonen für den informellen Austausch mit der Übergriffigen Person
- Kommunikation mit Medien und Öffentlichkeit
- Gefäss für Inputs und Bedenken / Raum für Austausch von Empfindungen und Befindlichkeiten (Gefühle wie Angst, Wut, Trauer..nicht-fühlen / Trigger, Widerstände.../ Zustände wie Hilflosigkeit, Orientierungslosigkeit, Verunsicherung...)
In unseren Diskussionen und Gesprächen versuchen wir, sowohl uns als Individuen, Gruppe und (Arbeits-)Organisation, als auch das Hirschi als öffentlichen Ort zu betrachten. Hier einige „Stichworte“ zu den Thematiken, die uns beschäftigen.
Intern:
Wie können wir für uns „a space as safe as possible“ kreieren, in dem sich alle sicher genug fühlen, Ängste, Verletzungen und Kritik zu teilen. In dem es uns möglich ist, uns und Betroffene auch in schmerzvollen und anstrengenden Prozessen im Austausch gegenseitig zu unterstützen? Einen Space der uns ermöglicht, (Selbst-) Kritik als Impuls und Reflexion als Lernfeld zu nutzen, um Entwicklung und Veränderung zu fördern?
- Reflexion interner Dynamiken
- Erkennen von und Umgang mit Privilegien
- Erforschen eigener Reproduktion von -ismen und Gewalt
- Umgang und Haltung zu Diversität
- Bewusstwerden unserer blinden Flecken
- Un-learning / Horizont und Wissenserweiterung
- nachhaltige Veränderung unserer Kommunikations- und Organisations-Strukturen .....
Hirschi als Öffentlicher Raum:
- Umsetzung der Erkenntnisse im (Arbeits-)Alltag / Awareness und Accountability in der Praxis
(z.B. Erarbeitung Awareness-Konzept / aktives Gestalten einer möglichst diversen Gruppe Hirschi-Mitarbeiter*innen / Unterstützende Angebote für Besucher*innen bei Erleben von Übergriffen / Austausch mit anderen Orten / Angebote für Besucher*innen zur Thematik / Kommunikation und Austausch mit Besucher*innen des Hirschenecks.......)
Folgende Themenfelder werden zur Zeit von Kleingruppen (unter oben genannten Blickwinkeln) be- und erarbeitet und in verschiedenen Formen der ganzen Hirschigruppe präsentiert und zugänglich gemacht:
Hierarchien
Accountability
Awareness
Kommunikation & Beziehungen -ismen und Diskriminierung Diversität
Uns ist klar: das Hirschi ist nicht frei von strukturellen -ismen und jede*r Einzelne nicht frei davon, bewusst oder unbewusst diskriminierendes und gewaltvolles Verhalten zu reproduzieren. Unser Kollektiv ist divers und damit einhergehend auch die Wissens- stände, Bereitschaft und Vorstellungen wie dieser Prozess zu führen ist.
Wir werden uns deshalb auch in Zukunft Zeit und Raum nehmen, in unserem Prozess weiter zu gehen und versuchen diese Divergenzen zu überwinden. Dabei werden sich neue Türen öffnen, neue Fragen auftauchen und hoffentlich nicht nützliche Annahmen, Dogmen und Selbstverständlichkeiten über Bord gehen.
Wir sind dankbar für euer Feedback, eure Unterstützung, für kritische Fragen und eure Solidarität!
Herzlich, eure Hirschis

 

 

STATEMENT APRIL 2021:

In den vergangenen Wochen haben uns Menschen anvertraut, dass sie im Verlauf des letzten Jahres von einer Person des Kollektivs, sexuell belästigt wurden und sexuelle Übergriffe durch sie im Hirschi erlebt haben. Es schmerzt uns und tut uns für alle Betroffenen sehr leid, dass auch das Hirschi nicht zu jeder Zeit ein sicherer Ort sein kann - so sehr wir uns das wünschen. Die Betroffenen haben unsere volle Unterstützung und wir danken ihnen für ihre Offenheit und ihr Vertrauen. Wir wissen, dass das Teilen des Erlebten viel Überwindung, Vertrauen und Mut braucht. 
Wir sind wütend, betroffen und traurig!

Das Hirschi versteht sich als Ort an dem Sexismus, Rassismus sowie jegliche Arten von Diskriminierung keinen Platz haben sollen. Wir versuchen die Dinge neu zu denken und besser zu machen. Durch die Ereignisse wurde uns wieder einmal schmerzlich vor Augen geführt, dass, egal wie gross die Bemühungen sind, keinen Raum gibt der frei von Übergriffen und Diskriminierung ist. Wir sind jedoch davon überzeugt, dass wir Strukturen kreieren können, in denen Grenzüberschreitungen aufgedeckt und benannt werden. Räume, in denen Menschen mit ihren Bedürfnissen, Befindlichkeiten und ihrem Erleben gesehen und ernst genommen werden, Unterstützung und Solidarität erfahren.
Wo stehen wir jetzt?
- Die übergriffige Person arbeitet per sofort nicht mehr im Hirscheneck. Ausserdem erhält sie ein unbefristetes Hausverbot.
- Die Betroffenen haben Wünsche und Forderungen geäussert, die wichtig sind um die Situation jetzt, aber auch langfristig zu verbessern. Diese wollen wir ernst nehmen und ihnen nachkommen.
- Wir wollen und können uns nicht aus der Verantwortung nehmen, da uns bewusst ist, dass auch wir Teil und Multiplikatoren der Missstände sind. Es ist uns bewusst, dass dies viel Zeit und Engagement braucht. Es braucht Mut und Willen die eigenen Strukturen zu hinterfragen und unser Mitwirken zu beleuchten, um Veränderungen zu ermöglichen.
- Wir möchten diese Vorfälle und ihre Aufarbeitung möglichst transparent und zugänglich gestalten. Deshalb sind wir im engen Austausch mit unseren Aushilfen und weiteren nahestehenden Personen, um sie in die Prozesse einzubinden.
- Da wir von mehreren Betroffenen wissen und einige Vorfälle schon länger zurückliegen, können wir nicht ausschliessen, dass noch weitere Übergriffe stattgefunden haben. Sollte dies auf dich zutreffen gibt es Raum zum Teilen und Austauschen von Erfahrungen. Wenn du das Bedürfnis hast, melde dich unter ansprechpersonen@gmail.com Wir möchten dich, soweit uns möglich, unterstützen und dich in die Aufarbeitung einbeziehen, falls du das wünschst. Deine Anfrage wird von uns vertraulich behandelt. Du bist nicht alleine. Du trägst keine Schuld. Wir glauben dir.
Die vergangene Woche wirft sehr viele Fragen auf und lässt uns betroffen zurück. Wir verstehen, dass es euch jetzt wahrscheinlich genauso geht. Wir möchten euch bitten, uns Zeit und Raum zu geben - wir werden euch über unsere Aufarbeitung auf dem Laufenden halten.
Ni una mas!
Eure Hirschis
ENGLISH VERSION:
Dear Guests, Dear Friends of Hirscheneck,
a while ago we published the abusive behaviour of a member of our collective. After 3 months of intense internal discussion we‘d like to share some of our process so far.
As we aim to break the chains of violence that come with sexual abuse and border crossings of every sort, it is important for us to show what it means to take active responsibility as a collective.
Self reflection and questioning of our own structures are therefore key for a sustainable change and enables us to take responsibility and have answers in the first place.
To question ourselves how far we were aware of this violence, were even encouraging it or simply failed addressing it enables us to expand our future spectrum of action.
How is the process looking so far?
We organized ourselves in several groups of different jurisdictions. They are responsible to safe our progress and work their fields of topic as are the following:
- Structure of the whole process, meta-structure and participation
- Interaction, exchange and support with affected persons and their support
- Interaction and informal exchange with the abusive person
- Communication with public and media
- Vessel for inputs, concerns, exchange, feelings, triggers, helplessness, emotional support ...
In our discussions and talks we try to see us both as individuals, group and workspace as well as a public space. Below there‘s a few thoughts related to these concerns.
Internal:
How can we create „a space as safe as possible“ where we all feel safe and confident enough to share our critique, fears, concerns and more? A space that enables us and affected people to support each other even in exhausting and painful processes. A space that enables us to see (self)critique as a way of learning and growing, enhancing our development and change.
- Reflection of internal dynamics
- Recognizing and dealing with privileges
- Studying our own reproduction of -isms and violence
- Handling and positioning towards diversity
- Awareness of our blind spots
- Unlearning / expanding our knowledge and horizon
- Sustainable change of our communication and organizational structures ...
Hirscheneck as a public space:
- Implementation of what we learn into our everyday (work)life, awareness and accountability in practice
(for example developing awareness concepts/ actively encourage diversity / supportive measures for guests encountering abusi- ve behaviour / exchange with other places / offers for guests no learn about these topics / communication with visitors/guests of hirscheneck ... )
The following topics are currently worked on in small groups (taking the inputs above into account) and in various forms presen- ted to the collective as a whole:
Hierarchies
Accountability
Awareness
Communication & Relations -isms and discrimination Diversity
It‘s evident to us: Hirscheneck in not free of structural
-isms the same way every single one of us is not free of reproducing (aware or unaware) discriminatory and violent behaviour. Our collective is diverse and therefore are our levels of knowledge, readiness and conception on how to approach and deal with this process.
Therefore, it is clear to us that we have to invest time and space in the future to bridge these gaps and continue our path. Doors will open, questions arise and hopefully obstructive mindsets and behaviours can be abolished.
We‘re thankful for your feedback, your tremendous support, your critical questions and your solidarity!
Your Hirscheneck-Collective
 

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